Buch-Tipp: Das Craft Beer Buch

Das perlt! Der wundervollen Welt der Mikrobrauereien hat der Gestalten Verlag ein erstklassig designtes Buch gewidmet. Patrick Schirmer Sastre hat in den Illustrationen, Fotografien und Rezepten des Craft Beer Buchs geblättert und dabei Biersommeliers und die erstaunlichen Geschichten des Brauhandwerks entdeckt.

Craft Beer, das neue Zauberwort für eine immer internationaler werdende, inspirierte Bierkultur. Ein neuer Anker der Selbstverwirklichung von Menschen, die sich nicht mehr mit dem bescheidenen Angebot an Supermarktbieren zufrieden geben wollen. Craft Beer, irgendwo zwischen charmantem Do-It-Yourself und dem Einzug des Snobismus in die Bierwelt. Die Biersommelière Sylvia Kopp von der Berlin Beer Academy hat sich nun in einem aufwendigen Buch mit der kreativen Verarbeitung von Hopfen, Malz, Hefe und Wasser auseinandergesetzt.

Mazen Hajjar braut im Libanon Craft-Beer

Im Grunde ist das, was jetzt vermehrt auf uns einschlägt, überhaupt nichts Neues. In den USA begann die Bewegung bereits in den Achtziger Jahren. Gegen Ende des Jahrzehnts gab es dort 20 Mikrobrauereien. In der Dekade darauf waren es bereits 500. Dass es in Europa mindestens noch ein Jahrzehnt oben drauf gedauert hat, bis die Bewegung Fuß fasste, mag vor allem daran liegen, dass viele Länder wie Deutschland, Belgien und Tschechien eine etablierte, von vielen guten Produkten geprägte Bierkultur haben. In Deutschland kam 2007 die Hopfenweiße von Schneider Weiße auf den Markt. Eine Zusammenarbeit zwischen Garrett Oliver von der Brooklyn Brewery und der bayrischen Brauerei. Das erste internationale Craft Beer.

Kopp setzt sich sehr systematisch mit den neuen Bieren auseinander. Nach einer Einführung in die Geschichte des Bieres, widmet sie sich dem Produktionsprozess. Dabei geht sie knapp und informativ auf die Grundzutaten und den Brauprozess ein, bevor sie sich mit den unterschiedlichen Biersorten auseinandersetzt. Immer inklusive einer Empfehlung für das Glas und zwei bis drei Bieren der einzelnen Sorte.

Illustration des Brauprozesses beim Craft-Beer Brauen

Im Folgenden widmet sie sich einzelnen Mikrobrauereien. Es sind spannende Geschichten, die die Vielfalt der Szene und die verschiedenen Herangehensweisen an das Brauen erzählen. Etwa die des ehemaligen Investment Bankers und Fotografen Mazen Hajjar, der im Libanon Bier braut. Warum? Weil es kein gutes Bier gab. Oder die japanische Brauerei Coedo, die Bier aus Süßkartoffeln herstellt, weil Weizen und Gerste rar gesät sind. Auf den zahlreichen Fotos sieht man neben den Zutaten, Geräten und eingeschenkten Bieren vor allem junge Männer mit Bart, die sich entweder konzentriert über Bierfässer beugen oder sich in stylischen Bars und eleganten Lofts fröhlich zuprosten.

Zum Craft-Beer wird Kalbsrücken in Heu gegart serviert

Besonders charmant sind die Rezepte im letzten Kapitel des Buches. Von der Vorspeise bis zum Nachtisch werden hier in zehn Rezepten unterschiedliche Biersorten mit einem dazu passenden, erfreulich unprätentiösen und einfachen Essen kombiniert. Generell überzeugt das Buch durch ein zurückhaltendes, aber vielfältiges Design. Es ist ein Buch für Genießer und Entdecker, weniger für jene, die selbst sofort mit dem Bierbrauen anfangen wollen. Wobei es natürlich nicht ausgeschlossen ist, dass bei der Lektüre genau dieser Wunsch entsteht.

Sylvia Kopp: Das Craft Beer Buch
Gestalten Verlag
256 Seiten, Hardcover
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