Was ist Roséwein? Weißwein, Rotwein oder eine eigene Kategorie?

Rosé war einst im Sinne des Wortes „Abfallverwertung“. Daher rührt sein noch immer schlechtes Image, das sich seit ein paar Jahren allerdings ins Gegenteil verkehrt. Guter Rosé ist heute die erstaunliche Vielfalt lachsfarbener Schönheit - ein richtig seriöser Wein, der mehr ist als nur köstliche Erfrischung an den heißen Tagen und Nächten des Jahres. Und so wird er hergestellt:

Wie entsteht Roséwein?
Rosé entsteht, indem man die Schalen blauer Trauben gezielt „auslutscht“. Aus den Beerenschalen blauer Trauben entzieht man also den Farbstoff, genau wie bei der Rotweinherstellung, nur viel zarter, weil man die Schalen schon nach wenigen Stunden von der Maische abzieht, wie man sagt. Beim Rotwein dauert diese Extraktion tage- oder gar wochenlang. Insofern ist guter Rosé pure Winzerkunst.

Was ist Roséwein?

Nochmal: Wie entsteht Rosé? Aus roten Trauben.
Aus deren Beerenschalen extrahiert ihn der Winzer binnen weniger Stunden und sehr schonend auf zwei Arten:

Herstellungsverfahren 1: Saignée
Beim sogenannten Ausbluten des Saftes, dem „Saignée“. Dabei wird eine gewisse Menge Most nach kurzer Gärung dunkler Trauben von der Maische, also den Beerenschalen, abgezogen. Man erhöht so den Anteil an Geschmacksstoffen im verbleibenden Most, weil bei gleicher Menge Beerenschalen aber weniger Flüssigkeit verstärkte Extraktion stattfindet. Der angefallene Saft-Abzug liefert einen je nach Rebsorte und Dauer des Schalenkontaktes mehr oder weniger farbintensiven Rosé, der in der Regel etwas dunkler in der Farbtönung ausfällt, als ein Rosé aus Direktpressung und mehr Alkohol besitzt, weil er der Rotweinherstellung entstammt.

Was ist Roséwein?

Herstellungsverfahren 2: Direktpressung
Die berühmten südfranzösischen Rosés, denen man nachsagt, die feinsten der Welt zu sein, entstammen einem anderen Verfahren der Roséherstellung, der sogenannten Direktpressung. Dabei werden speziell für die Rosé-Herstellung gelesene Rebsorten wie Cinsault, Mourvèdre oder Tibouren in der Presse so lange auf den Beerenschalen gelassen, bis sie die gewünschte Farb- und Gerbstoffintensität angenommen haben. Dann wird der Most schnell durch Abpressen von den Schalen getrennt und anschließend wie Weißwein vergoren. Dickschalige, also farbintensive, Rebsorten stehen dabei nur wenige Stunden in der Presse, dünnschalige, also hellerfarbige, werden erst nach acht bis zwölf Stunden auf den Schalen abgepresst. Rosés aus Direktpressung besitzen eine unverwechselbare Wildlachsfarbe und feinherbe Gerbstoffe, deren zarte Bitterkeit jene duftige Frucht und zarte Würze unterstreicht, die gute Rosés so nobel, delikat und erfrischend macht. Sie sind also etwas heller in der Tönung und am etwas leichteren Alkohol zu erkennen, für den die Trauben extra etwas früher gelesen wurden. Es lebe die Vielfalt im Rosé!

Aufgepasst! Rotling ist keine Rosé
Wenn man Weißwein mit Rotwein mischt, entsteht ein Wein, der zwar wie ein Rosé aussieht, aber nicht entfernt dessen Finesse, Frische und Charakter besitzt; er muss sich per Gesetz „Rotling“ nennen und hat mit gutem Rosé nichts gemein. Also aufgepasst!