Die Biohennen AG

Hätten Sie's gewusst? Ihr Frühstücksei hat ein Problem. Es ist so simpel nicht, wie Sie es sich vorstellen. Rund um Ihr geliebtes Frühstücksei sind schon viele Schlachten geschlagen und unappetitliche Skandale abgefeiert worden. Die Biohennen AG, eine biozertifizierte Legegemeinschaft in Vohburg in der Oberpfalz, weiß, dass auch in den Bio-Betrieben nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen ist – und sucht nach Lösungen.

„Wir schaffen ein faires System mit artgerechter Hühnerhaltung, Wertschätzung der Bauernfamilien und hochwertigen Biohennen-Eiern – gemeinsam mit Ihnen.“ Das proklamiert die Biohennen AG auf ihrer Website. Zu schön, um wahr zu sein? Nein. Die Biohennen AG wächst rasant und feiert erstaunliche Erfolge in Edeka- und Tengelmann-Märkten sowie in zahlreichen Bio-Fachmärkten und kleinen Bioläden in Bayern. Kürzlich wurde die raffinierte Pappverpackung der Legegemeinschaft zudem mit einem der wichtigsten Awards der Werbewelt ausgezeichnet.

Die Nachfrage nach den Biohennen-Bioeiern ist so groß, dass die Legegemeinschaft dringend weitere Bauern für die Umstellung sucht. Jene Bauern, die es gewagt haben, die hoch subventionierte Schweine- und Milchwirtschaft für die Eierproduktion aufzugeben, sind begeistert bei der Sache und rekrutieren ihrerseits neue Mitglieder. So wurde die Biohennen AG in der sich in dramatischem Wandel befindlichen Landwirtschaft zum Lichtblick für mittlere und kleine Familienbetriebe. Der Absatz ist garantiert, jeder Bauer kann Teilhaber werden und die Zukunft in einem wachsenden Nischenmarkt scheint gesichert.

Biohennen AG

Mustergültig ist auch die Transparenz der Biohennen AG. Auf der Website stellt sie jeden einzelnen Familienbetrieb der Erzeugergemeinschaft vor und erklärt in ungewohnter Ausführlichkeit die Produktionsabläufe sowie das wirtschaftliche und ethische Konzept der Gemeinschaft. Dabei scheut sie auch nicht vor dem unangenehmen Thema zurück, das das Frühstücksei zum Problem für Tierschützer, viele Verbraucher und für jeden Mitgliedsbetrieb macht: die systematische Tötung männlicher Legeküken.

Als Alternative propagiert die Erzeugergemeinschaft die sogenannte „Geschwisterhaltung“, auch „Zweinutzung von Henne und Hahn“ genannt. Schon lange sind Tierschutzkreise und Bioproduzenten gegen die systematische Tötung der männlichen Legeküken, die heute in der Eierproduktion weltweit trauriger Standard ist. Sie abzuschaffen, würde einen radikalen Umbruch in der Legehennenhaltung verlangen. Nicht nur die Eierproduzenten, sondern vor allem der Handel und die Verbraucher müssten die Konsequenzen mittragen.

Biohennen AG

Auslöser der Küken-Selektion war in den 1950er Jahren der Beginn der Legebatteriehaltung in den USA. Rund zehn Jahre später hielt die Käfighaltung auch in Deutschland Einzug – und damit die sogenannten „Legehybride“, die für die maximale Eierproduktion gezüchtet wurden. Diese ersetzten nach und nach die in traditioneller Freilandhaltung lebenden Rassen, die als „Zweinutzungshühner“ auch passable Fleischlieferanten waren.

Die Konsequenz aus dieser Entwicklung: Männliche Legehybride, die wegen ihres zu geringen Fleischansatzvermögens nicht wirtschaftlich sinnvoll gemästet werden können, werden kurz nach dem Schlüpfen getötet – sowohl in konventionell als auch in biologisch wirtschaftenden Brütereien.

Die Biohennen AG macht auf dieses Problem aufmerksam. Dabei weist sie darauf hin, dass in der Presse fast immer verschwiegen wird, dass es sich bei erfolgreichen Lösungsansätzen bisher meist um Kleinstprojekte mit regionaler Vermarktung handelte. Eier und Masthähnchen werden dabei direkt im Hofladen verkauft oder in Zusammenarbeit mit regionalen Naturkostläden angeboten, wo der Verbraucher im persönlichen Gespräch über die Gründe für die sehr viel höheren Preise informiert werden kann. Auf der Handelsschiene sei die Akzeptanz für Bio zwar signifikant gestiegen, aber für derart erklärungsbedürftige Produkte sehe man dort nach wie vor keinen Markt.

Biohennen AG

Heute gibt es keine professionelle Wirtschaftsgeflügelzucht für Zweinutzungshühner mehr, weil diese die Anforderungen des Marktes nicht erfüllen. Doch die Bauern der Biohennen AG beschäftigen sich trotzdem intensiv mit dem Thema. Für sie ist das größte Problem, dass Hähnchen der Zweinutzungsrasse rund vier Mal mehr Futter benötigen als die jetzige Masthähnchenrasse. Biofutter, vor allem regionale Eiweiß-Komponenten, sind in diesen Größenordnungen aber nicht verfügbar. Deshalb sind immer bis zu fünf Prozent konventionelle Futteranteile im Biofutter erlaubt.

Ein Ausweg könnte die Geschlechtsbestimmung des unbebrüteten Eies sein. Die Bestimmung ist unter Laborbedingungen bereits möglich, aber sehr aufwendig. Wenn man das Verfahren so weit entwickeln könnte, dass große Stückzahlen kostengünstig untersucht werden können, könnte man Eier ohne Kükentötung anbieten. Damit würde man sich jedoch auch weiterhin auf Legehybride in großen Brütereien festlegen, was im Biobereich durch die Abhängigkeit von den Züchtern mit großer Skepsis gesehen wird, zumal dadurch auch die Vielfalt der Rassen verringert würde.

Biohennen AG

Die Biohennen AG denkt darüber nach, die Wirtschaftsgeflügelzucht wieder zu beleben, um durch Direktvermarktung und familiäre Kleinststrukturen ein Zweinutzungshuhn in wirtschaftlichen Dimensionen halten zu können und sich damit von den großen multinationalen Zuchtunternehmen unabhängig zu machen. Sie muss dabei auf die Akzeptanz der Verbraucher gegenüber den „neuen“ Hähnchen setzen, weil sie nur so ihren Bauern, dem Handel und den Verbrauchern eine praktikable Lösung des Problems bieten kann. Nur wenn Handel und Verbraucher die höheren Preise für Eier und Hähnchenfleisch akzeptieren, gehört das Thema Kükentötung der Vergangenheit an. Das Problem hinter jedem Ihrer Frühstückseier.

www.diebiohennen.de