Kunstsammlung Boros

Vom Luftschutzbunker zum Ausstellungsort – ein Bunker in Berlin Mitte beherbergt die Kunstsammlung Boros. Zu Besuch an einem sehr berlinerischen Ort.

An diesem kalten Winterabend gibt es einladendere Orte als den Bunker in der Reinhardtstraße in Berlin Mitte. Doch im dunklen Schneegestöber wirkt dieses grobe Gebäude sogar ein bisschen anheimelnd. Das war nicht immer so: 1943 von Zwangsarbeitern erbaut, diente er erst als Luftschutzraum in Bombennächten, später in der DDR als Lager für exotisches Obst. In den 90er Jahren kam ein illegaler Technoclub hier unter. Eine Berliner Geschichte eben.

2003 erstand der Kunstsammler Christian Boros das Gebäude, seit 2008 beherbergt der Bunker seine private Kunstsammlung, die auch besichtigt werden kann. Junge Kunstkenner führen durch das verwinkelte Gebäude, das sich über fünf Stockwerke erstreckt. Gezeigt wird Gegenwartskunst von den 90er Jahren bis heute, Installationen, Fotografien. Große Namen sind darunter: Ai Weiwei, Olafur Eliasson, Wolfgang Tillmanns, Thomas Ruff.

Viele Exponate erzählen von der Zeit und wie sie vergeht. Der "Teenage Room", eine Installation der jungen schwedischen Künstlerin Klara Lidén zum Beispiel. Ein verlassenes Jugendzimmer inklusive Hochbett und zurückgelassener Gegenstände wie Bücher und einem CD-Player lassen an die Person denken, die dieses Zimmer bewohnte und nicht mehr da ist. Einziger Fluchtweg: eine kleine Falltür. Beklemmend und melancholisch zugleich.Ein paar Stockwerke höher blicken junge Männer von den Portraits Wolfgang Tillmanns. Nachtmenschen der 90er Jahre. Gut möglich, dass sie vor 20 Jahren hier gefeiert haben. Ein Bunker erzählt von der Vergänglichkeit.

Sammlung Boros Bunker
Reinhardtstraße 20
Berlin-Mitte
Führungen von Donnerstag bis Sonntag max. 12 Personen pro Führung
Eintritt: 10,- Euro
Nur mit Voranmeldung über www.sammlung-boros.de

Klara Lidén: Teenage Room, 2009
Thomas Ruff: Stern 13h 18m/-60°, 1992; Stern 10h 51 m/-20°, 1992; Stern 05h 08m/-65°, 1990