Liberté und Hautevolee: Das Restaurant Chez Fritz in München

Die französische Bistroküche ist derzeit nicht gerade im Trend. Doch unser Kolumnist Alexander Otto hat ein Restaurant entdeckt, das so gut und authentisch ist, dass einem der Zeitgeist egal sein sollte: Das Chez Fritz in München Haidhausen.

Man kann von der französischen Brasserie-Küche halten, was man will. Sie ist vielleicht nicht mehr ganz zeitgemäß, freilich einen Tick überdreht und sicherlich gastronomisch arrogant – vor allem, wenn sie sich mitten in München zeigt. Wobei: Vermutlich passt ein Konzept wie das des „Chez Fritz“ nirgends so gut hin wie nach Haidhausen, ins sogenannte Franzosenviertel. Denn regionale Produkte, Bio-Zutaten oder eine individuelle Handschrift des Kochs sucht man hier vergebens. Alles, was in den tonangebenden Magazinen gerade durchs Dorf getrieben wird, spielt in Haidhausen keine Rolle.

Das hat einerseits mit dem gewissen Münchner Habitus zu tun, der in „besseren“ Lokalen vorzufinden ist. Ein kulinarisches „Mia san Mia“, das unabhängig von irgendeiner Landesküche funktioniert und mehr dem geneigten bajuwarischen Trendpublikum zuzurechnen ist. Andererseits ist es dem absoluten Willen zur Authentizität geschuldet. Pariser Brasserie-Küche, überhaupt alles, was Pariser Brasserien grundlegend auszeichnet, wurde selten so gekonnt, so verführerisch, ja, so überragend in Szene gesetzt, wie im „Chez Fritz“. Stilsicher wie in französischen Autorenfilmen der 60er, geschmackssicher wie ein Geheimtipp im französischen Guide Michelin und selbstsicher, als wäre mit der Eröffnung vergangenen Herbst eine Auszeichnung verliehen worden.

Chez Fritz Etagere

Es geht hektisch zu, die Tische stehen eng beisammen, aus dem offenen Küchenbereich für Fischgerichte schallt das Geräusch von geschaufeltem Eis durch den Raum. Kurzum: Ein Restaurant mit Suchtfaktor. Denn neben all den Sehen-und-gesehen-werden-Spielchen, den prätentiösen Kellnern in Hosenträgern und dem so wundervollen wie gezielt auf Retro-Überwältigung gebürstetem Interieur, bleibt eines jeder Kritik erhaben: Die Qualität des Essens.

Die Standardkarte ist quasi eine 1-zu-1-Abschrift einer Pariser Brasserie: Bouillabaisse, Blutwurst, Entrecôte, Austern, Muscheln und Pommes – Klassiker, gekonnt in Szene gesetzt und makellos serviert. Im Falle der Austern in kleinen Emaille-Töpfchen auf Eis mit Sauce Rouille und Brot – knackfrische, hochwertige Gillardeau-Austern mit dem so unverwechselbaren Geschmack nach Meer und Protein. Was mich aber wirklich begeistert hat, waren die aromatischen Zwischentöne. Das Rindertartar mit Pommes (14,50 Euro) hat mit toller Fleischqualität und einer grandiosen, feinen Senfschärfe überzeugt. Die Pommes sind natürlich hausgemacht und schmecken auch wirklich danach. Fischgerichte gibt es nach Tagesangebot. Ich wähle als Hauptgericht Adlerbarsch auf Orangenchicoree und Kartoffelwürfel (26,50 Euro). Selten wurde mir ein Filet serviert, das so perfekt gebraten war. Die Haut ist kross, das Fleisch leicht glasig und noch saftig. Das Bett aus Frühlingszwiebeln, Möhren, Chicoree und besagten Orangen ist grandios komponiert und gekonnt zubereitet.

Chez Fritz Terrasse

Plötzlich wird klar: Hier steht jemand am Herd, der wirklich versteht, was Pariser Bistroküche bedeutet. Das Konzept des „Chez Fritz“ geht komplett auf. Authentizität wird hier nicht vorgegaukelt, sondern gelebt. Außer bei den Weinen, zugegeben. Je drei offene Weine, rot und weiß, dazu einer von der Tageskarte, sind schlicht zu wenig für ein Restaurant dieser Art. Das „Chez Fritz“ will mehr sein, als nur ein weiterer Franzose im Franzosenviertel. Das gelingt den Machern in fast jeglicher Hinsicht. Den Rest bekommen sie sicher auch noch hin. Liberté toujours ist eben nicht ganz einfach zu haben.

Chez Fritz Preysingstraße 20 München Haidhausen Tel. 089. 448 76 76 geöffnet: Di-So 17.30-1 Uhr

www.chezfritz.de