Gardasee

Wandern & Wein am Gardasee

Alle Wege führen zum Wein. Alexander Otto über fünf Tage Wandern am Ostufer des Gardasees

Die Idee meines einwöchigen Urlaubes klang so einfach wie machbar: Am Ostufer des Gardasees entlang von Torbole bis nach Bardolino laufen, die Ruhe und den sprießenden Frühling genießen und sich abends der hausgemachten Pasta und den jungen Weinen der Region hingeben. Hingabe war bereits am ersten Tag gefordert. Natürlich ist es ambitioniert, über das Monte-Baldo-Massiv nach Malcesine wandern zu wollen. Dass ich nach vier Stunden Aufstieg über steile Rampen auf 1.300 Metern Höhe ohne Wegweiser vor einem Steinbock stehen würde, konnte ich beim Start im malerisch frühsommerlichen Nago nicht ahnen.

 "Nur Vögel, ein Steinbock und ich."

Ich lief an Jahrhunderte alten Olivenbäumen und fast ebenso alten Olivenbauern vorbei, die behutsam die Zweige stutzten. Sonst war da niemand. Nur Vögel, ein Steinbock und ich. Als ich viele Stunden später erschöpft am Porto Vecchio in Malcesine meinen ersten 2012er Lugana genoss, war meine Welt jedoch wieder in Ordnung. Die Abendsonne ließ den blutjungen und fast perlend frischen Weißen hellgelb leuchten. Vor mir gluckerte der Gardasee ans Ufer, hinter mir sang der Wirt lauthals Bob Dylan in den Abend. Ich war angekommen.

Gardasee

"Ich lief an Jahrhunderte alten Olivenbäumen

und fast ebenso alten Olivenbauern vorbei."

Das Wandergebiet rund um den Gardasee ist definitiv nichts für Spaziergänger. Diese Erkenntnis des ersten Tages bestätigte sich eindrucksvoll auf der zweiten Etappe. Über 1000 Höhenmeter musste ich zwei Mal überwinden, um am Ende, nach traumhaften Blicken auf fast den gesamten Nordteil des Sees, in Torri Del Benaco zu landen, wo ich in der „Ostria del 4“ ein phänomenales Abendessen genoss. Eine wunderbare, einfache Weißwein-Cuvée aus hiesigen Trauben, das Glas für 1,50 Euro, begleitete die hausgemachten Tagliatelle mit Seefisch-Ragout. Ich weiß um das Phänomen des so genannten Urlaubsweines, der zu Hause nicht mehr schmeckt. Egal: Diese Kombination war angesichts des Sonnenunterganges über dem See schlicht perfekt.

"Ein Gewinner, dieser Wein."

Ebenso perfekt wie die „Osteria Can E Gato“ in Garda, meine nächste Station. Eine Weinbar wie aus dem Bilderbuch: Flaschen als Deko, Stühle an Weinfässern und laute Musik. Dazu ein äußerst kundiger junger Barista, der mir einen Valpolicella Superiore (3,50 Euro) hingestellt hat, der meine Vorurteile gegenüber diesem Wein hinweggefegt hat wie der Wind die Segler über den See. Ein ganzes Feld roter Früchte erwartete mich neben einem ausgewogenen Spiel zwischen Alkohol und Tanninen. Ein Gewinner, dieser Wein.
Bardolino erreichte ich am Ende ohne Mühe entlang des wundervollen Uferweges von Garda. Den obligatorischen Wein, der dieser doch sehr touristischen Stadt ihren Namen verleiht, habe ich beim stadtbekannten Matteo in seiner ebenfalls wundervollen Weinbar vom Fass getrunken. Ein eher ernüchterndes Ergebnis, denn diese jungen Gewächse haben noch nicht viel zu bieten außer einer schönen Erinnerung an den gelungenen Abschluss einer aufregenden Reise.

Gardasee